Eine kleine Weingeschichte
Bereits 6.000 vor Christus begann auf den verschiedenen Erdteilen der erste Weinbau. Im 3. Jahrhundert vor Christus kultivierten die Römer die ersten Weinstöcke in Italien. In den süditalienischen Kolonien ließen die Römer die Reben am Stock trocknen. Im Norden jedoch war diese Verfahrensweise aufgrund des günstigeren und feuchteren Klimas nicht praktikabel. Man löste das Problem, indem man die Trauben nach der Lese zum Trocknen auf Dachböden auslegte. Die Römer kultivierten ihre Weinberge in den Hügelregionen, die heute Valpolicella Classico, Valpantena, Val d’ Illasi und Valle di Mezzane genannt werden.
Den ersten Berichten des Sventonius (ein römischer Offizier und Chronist am Hof von Kaiser Augustus) zu Folge wurden auf den Gelagen des Kaisers Augustus unsägliche Mengen des Retie (Raeticum) genossen. Die Niederschriften des Sventonius wurden später im 1. Jahrhundert nach Christus von Plinius dem Älteren bestätigt. Auch der Passum, ein Rosinenwein, erfreute sich in der damaligen höfischen Gesellschaft äußerster Beliebtheit. Sowohl beim Raeticum als auch beim Passum handelte es sich um frühe Vorfahren des heutigen Amarone und Recioto.
Der Name „Raeticum“ ging auf den Dialektbegriff „recie“ zurück, was soviel bedeutet wie Öhrchen. Später wird auch der Recioto hier seinen Namensvater finden. Für die Herstellung des Raeticums, eines sehr opulenten und süßen Weines, wurden nur die äußersten Trauben am Rebstock verwandt, die ein Höchstmaß an Sonne bekamen und deshalb auch die süßesten Trauben am Weinstock waren. Der hieraus vinifizierte Wein war sehr süß und alkoholreich.
Weitere zweihundert Jahre später sollten die Vorzeichen für unseren Amarone und Recioto noch deutlicher werden. Der Minister Acinaticus aus Cassiodoro schickte seine ersten Berichte an den Hof von Kaiser Theoderich, der ihn immer wieder in verschiedene Landesteile als Statthalter sandte. Acinaticus berichtete von einer Villa Ambrosan, nahe dem heutigen San Pietro in Cariano gelegen. Hier wurden bereits gezielt Trauben zum Trocknen auf Dachböden oder in Scheunen ausgelegt, um anschließend daraus sehr kräftige und alkoholreiche Weine zu keltern. Diese Veroneser Weine wurden in großen Krügen über die Etsch/Adige nach Verona und von dort aus nach Aquileia gebracht.
Aquileia war zur damaligen Zeit einer der größten Umschlagplätze. Um den Wein für den Transport zu konservieren, wurden die Krüge im Inneren mit einer Mandelpaste oder mit ähnlichen aromatischen Rohstoffen bestrichen. Durch diese Konservierungsmethode erhielt der Wein außerdem einen intensiveren Duft und Geschmack. Heute besinnt man sich im Valpolicella der Urväter des Amarone und des Recioto und gibt den eigenen Weinen Namen wie Acinatico oder Ambrosan.
Warum wir mit Wein handeln…
Angefangen hat alles mit einer Flasche Amarone vor mittlerweile über 17 Jahren. Wir hatten den Wein entkorkt um ihm etwas Luft zu verschaffen – und plötzlich war der Raum geschwängert mit einem Duft von Heidelbeeren und Wintergewürzen. Seither ziehen uns die Weine des Veneto immer wieder in ihren Bann – auch wenn wir heute erste Ausflüge in die nähere Umgebung wagen, wie z. B. nach Südtirol, ins Piemont oder die Emiglia Romagna.
Doch immer wieder kommen wir zurück zu unseren Anfängen und freuen uns über die charakteristischen Bouquets der Weine aus dem Veneto. Mittlerweile sind es aber nicht nur mehr Amarone und Valpolicella-Weine die uns in Ihren Bann ziehen.
Nein, auch andere Winzer haben sehr schöne Weine!
Immer wieder eine Überraschung sind die Gewächse der Winzer aus den beiden Bardolino-DOC-Zonen. Während die Weine aus dem Bardolino Classico (um die Ortschaft Bardolino) einen etwas rustikaleren Auftritt zeigen, geben sich die Bardolino-Gewächse aus dem Süden des Gardasees, nahe dem Val di Mincio, bedeutend feinsinniger und vielschichtiger. Kennzeichnend für beide Zonen ist das recht frische und lebendige Sauerkirsch-Aroma. Im Classico-Gebiet zeigen sich häufig noch zart-herbe, würzige Anklänge, z.B. ätherische Kiefernholznoten. Die Weine des südl. Gardasees werden oft durch Gewürznoten wie etwa Piment abgerundet.
Doch auch die beiden weissen Klassiker des Gardasees, den Bianco di Custoza und den Lugana sollte man hier nicht vergessen. Auch wenn die beiden Anbauzonen dicht beieinander liegen, sind die beiden Gewächse so unterschiedlich wie es deutlicher nicht sein könnte. Der Lugana neigt ein wenig zur Opulenz und glänzt durch breite, satte Fruchtaromen, meist von Birnenanklängen dominiert. Der Bianco di Custoza dagegen gibt sich eher frisch und lebendig und zeigt nicht selten ein breites Potpourri an exotischen Früchten, frischen Wiesenkräutern und Anklänge an süditalienische Zitrusfrüchte (agrumi).
So ließen sich die Ausführungen über die Weine rund um den Gardasee und darüber hinaus endlos fortsetzen………….auf den Geschmack gekommen?
Dann schauen Sie mal rein bei unseren Weinen aus dem Valpolicella, aus Südtirol oder aus dem Valdobbiadene.
Mit vinophilem Gruß
Ralph Ponath
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